|
Dieser Bericht ist längst
überfällig und war auch bereits für Ende letzten Jahres angekündigt.
Aber ich habe bisher immer gern Ankündigungen gemacht, aus denen meist
nichts, oder aber falls doch, erst viel später etwas wurde. Und das ist
jetzt beileibe nicht nur auf diese Homepage bezogen. Zu Beginn
stellt sich natürlich die Frage, warum ich diesem miesen Subjekt einen
ganzen Artikel widme. Nun, bis vor kurzem war Gary Glitter mein absoluter
Lieblingsinterpret, und das seit 1976. Ich besitze immer noch massenhaft
Material von ihm und war sogar mal Mitglied in seinem englischen Fanclub.
Jeder der mich kennt weiß das. Deshalb bin ich besonders betroffen und
möchte jetzt Stellung beziehen. Aber
erst einmal zur näheren Geschichte von diesem verdammten Drecksack. Gary
Glitter, der in Wirklichkeit Paul Francis Gadd heißt wurde am 08. Mai
1944 in London geboren. Noch zu Schulzeiten gründete er seine erste Band
Paul Russell and the Rebels. 1960 erschien unter seinem neuen
Künstlernamen Paul Raven seine erste Single `Alone In The Night´, die bereits zwei
Jahre zuvor aufgenommen wurde. Zwei weitere folgten 1961. Alles Flops. Wie
viele andere englische Musiker zuvor ging Raven, der inzwischen
verheiratet war und zwei Kinder hat, nach Deutschland, um dort vorwiegend
im Hamburger Starclub und im Kieler Starpalast aufzutreten. In England
erschienen weitere Singles, auch unter den Namen Paul Monday und Rubber
Bucket, die jedoch allesamt nicht von Erfolg gekrönt waren. Er sang auch
auf der Schallplattenaufnahme zu `Jesus Christ Superstar´. Aber ein
Durchbruch war nicht in Sicht. Erst 1972, im Zuge der aufkeimenden
Glamrock - Welle wendete sich das Blatt. Paul Raven und sein langjähriger
Produzent und Songwriter Mike Leander schrieben das Stück `Rock And
Roll´ und nahmen dieses auf. Da sie keine B - Seite hatten, remixten sie
die Musik der A - Seite und brüllten zu der einen solch anspruchsvollen
Text wie heeey, uhh, aah usw. Da Paul Raven bisher kein Glück hatte,
suchte man einen neuen Namen für die Scheibe, die als `Rock And Roll Part
1´ mit B - Seite `Rock And Roll Part 2´ auf den Markt kam, und fand ihn
in Gary Glitter. Drei Monate lang geschah gar nichts, dann wurde Part 2
plötzlich in den Discotheken gespielt und avancierte von da an zum
weltweiten Hit. In den USA wird das Ding selbst heute noch auf allen
großen Sportveranstaltungen gespielt. Auch die folgenden Singles,
darunter z.B. `Do You Wanna Touch Me (Oh Yeah!)´ und `I´m The Leader Of
The Gang (I Am!)´ wurden Superhits, ebenso wie die ersten drei Alben die
oberen Regionen der Charts eroberten. Gary Glitter trieb es stets eine
Stufe weiter, bunter und verrückter, als alle anderen Glamrocker. Mit
seiner Musik, vorwiegend bestehend aus hypnotischen Drumbeats und
Handclaps mit simplen langgezogenen Gitarrenriffs hatten er und Mike
Leander etwas völlig neues erschaffen. 1976 mit dem Abebben der Glamrock
- Welle begann auch Glitter´s Stern langsam zu sinken. Er hatte zwar noch
ein paar mittlere Hits, die jedoch nicht mit den großen Erfolgen der
vergangenen Jahre mithalten konnten. Die letzten beiden Alben flopten
total. Hinzu kam daß der in England damals übliche sehr sehr hohe
Steuersatz für Großverdiener, sowie ein teurer exzessiver Lebensstil ihm
auch finanziell das Genick brachen. Glitter war pleite, sein luxuriöses
Anwesen in einem Vorort von London wurde versteigert, ebenso wie fast sein
gesamtes Hab und Gut. Dennoch war der ehemalige Superstar hochverschuldet.
1978 nahm er das Angebot an, in Neuseeland die Rolle des Frank n´ Furter
Musical `Rocky Horror Picture Show´ zu spielen. 1979 erschien die Single
`Superhero´, die jedoch noch mehr flopte als damals die alten Paul Raven
- Sachen. Ein weiteres Lebenszeichen in dem Jahr war ein Kurzauftritt im
kleinen Hamburger Club `Chikago´ mit der Formation Rock Circus, die zum
Teil aus ehemaligen Rattles - Musikern bestand. Die zwei dargebotenen
Songs mit Gary Glitter sind auch auf dem Doppelalbum `Live Im Chikago´
vertreten. Erst in der zweiten Jahreshälfte von 1980 gelang es Glitter,
zumindest in seiner Heimat wieder Fuß zu fassen. Seine neue Single `What
Your Mama Don´t See (Your Mama Don´t Know!)´, welches, hört man sich
den Text genau an, nachdem was man heute weiß, durchaus schon
Rückschlüsse auf seine pädophilen Neigungen zulässt, wurde ein Hit in
den Independent Charts und das Jahr endete mit einem gut besuchten
Auftritt im nicht gerade kleinen Londoner Rainbow Theatre, wo Glitter
bereits in seiner Zeit in den Siebzigern gastierte. In den nächsten
Jahren folgten weitere Singles, von denen einige sich verhältnismäßig
passabel in den Charts platzieren konnten. Weitere Liveauftritte folgten,
anfangs in Universitäten, dann in kleineren Hallen. Das
Publikumsinteresse nahm stetig zu. Mit `Another Rock And Roll Christmas´
schaffte es Glitter 1984 sogar wieder in die Top Ten der britischen
Charts. Gegen Ende der Achtziger bespielte Glitter bereits die großen
Hallen. Seine alljährlichen Tourneen zur Vorweihnachtszeit wurden Kult.
Gegen Mitte der Neunziger waren es bereits die großen 10.000er Hallen.
Auf seiner letzten Tour 1997 spielte Glitter in London an drei
aufeinanderfolgenden Tagen zwei Shows in der Wembley Arena und eine in der
Dockland Arena. Und es wäre mit Sicherheit noch bombastischer geworden,
hätte es nicht die Nachricht gegeben, daß auf seinem PC tausende von
pornographischen Fotos mit Kindern gefunden wurden. Das war kurz vor
Beginn seiner Tour, die jedoch dennoch äußerst erfolgreich verlief.
Wahrscheinlich mochte oder wollte das keiner so recht glauben. Auch ich
habe das nicht geglaubt. Ich wahr der festen Meinung, daß ihm da jemand
einen ganz üblen Streich gespielt hatte. Ich konnte mir das nicht
vorstellen. Gary Glitter war so ziemlich der letzte, dem ich so etwas
zutrauen wurde. Eigentlich genau genommen der vorletzte, weil der letzte
bin ich natürlich selbst. Dieser so sympathische Typ mit einem Übermaß
an Selbstbewusstsein, der ständig irgendeine hübsche Frau an seiner
Seite hatte und diese saustarke Musik macht, der soll so etwas
widerwärtiges erbärmliches gemacht haben, wie sich Kinderpornographie
herunterzuladen? Das wollte und konnte ich mir einfach nicht vorstellen.
Nun ja, nach Beendigung der Tour war erst einmal Funkstille. Glitter
verschwand mit seiner kubanischen Freundin in deren Heimat. Sein
Plattenlabel veröffentlichte nicht das für 1998 fest eingeplante neue
Album, sowie die ebenso geplanten CD - Veröffentlichungen der ersten
fünf Alben. Man hörte einfach nichts mehr. Erst im November 1999,
passenderweise an meinem Geburtstag, wurde Glitter der Prozess gemacht,
wegen den Fotos auf seinem PC. Zwei Stunden zuvor war er noch in einer
anderen Sache freigesprochen worden. Eine Ex - Freundin hatte ihn nämlich
angezeigt, weil er drei mal mit ihr Sex hatte, als sie noch 14 Jahre alt
war. Das wird mit Sicherheit auch so gewesen sein, jedoch ist Geld von
einer englischen Zeitung geflossen und es sollte im Falle eines
Schuldspruchs eine noch größere Summe geben. Von daher wäre ein
Schuldspruch juristisch fragwürdig gewesen und die Geschworenen
plädierten auf Freispruch. Anders lief es im nächsten Prozess. Glitter
musste sich anhand der Beweise schuldig bekennen. Es ging um über 50
besonders schlimme Fotos. Für jedes einzelne von denen hätte man Glitter
problemlos 2 Jahre aufbrummen können. Das hieße, er wäre im Alter von
ca. 160 aus dem Gefängnis entlassen worden. Aber nein: Diesen Glückspilz
haben sie mit schlappen vier Monaten davonkommen lassen. Und wegen guter
Führung brauchte er von denen auch nur die Hälfte absitzen. Nach seiner
Entlassung gab es eine sehr kurze Pressekonferenz, auf der der verlogene
Perversling ein kurzes Statement von sich gab. Fast schon unter Tränen
sagte er, er bereue es zutiefst, er hätte seine Strafe abgesessen und
möchte sein Leben leben. Das war natürlich völlig gelogen und gut
gespielt. Bereut hat dieses kranke Ferkel rein gar nichts, wie man
inzwischen weiß. Ganz im Gegenteil: Nach diesem milden Urteil hat er sich
wahrscheinlich noch bestätigt gefühlt und geglaubt, er hätte die totale
Narrenfreiheit auf diesem Planeten. Daß dieser Mann ein guter
Schauspieler und Lügner ist, ist mittlerweile ja bekannt. Schließlich
hat er sich ja 1993 tatsächlich erdreistet, nachdem die gleiche Ex -
Freundin, die ihn später angezeigt hat ihn als Perückenträger zu outen,
in einer deutschen Fernsehshow aufzutreten, und was weiß ich wo noch
sonst überall, und ernsthaft behauptet hat, seine Haare wären echt.
Dabei sind diese wahrscheinlich bereits zu Paul Raven - Zeiten vom vielen
billigen Fusel ausgefallen. Aber jetzt erst einmal eine kurze
Unterbrechung für ein persönliches Statement. Im
Nachhinein ist es mir unbegreiflich, aber ich habe auch nach Glitter´s
Verurteilung noch weiter zu ihm gehalten. Ich habe ernsthaft geglaubt, er
hätte es tatsächlich bereut, diese abartigen Fotos auf dem PC
abzuspeichern. Außerdem war ich der saublöden und teilweise schon
erschreckenden Ansicht, das wären ja nur Fotos gewesen, in Wirklichkeit
würde Gary Glitter nie Kinder mißbrauchen und hat so etwas auch nie
gemacht. Das war schon mal blauäugiger Bullshit! Natürlich würde jeder
dieser pädophilen Bildersammler auch gern in die Tat umsetzen, was er auf
den Fotos vorfindet, sei es Sex mit Kindern oder schlimmeres. Besucher von
legalen Pornoseiten würden ja wohl auch nicht abgeneigt sein, wenn sich
die Möglichkeit eines Beischlafs mit einem oder mehreren der
favorisierten Modelle ergeben würde. Nur mal so als plumpes Beispiel. Und
das Gary Glitter so etwas auch bereits gemacht hat, liegt ja wohl auch
auf der Hand. Ein Freispruch ist ja nicht gleichbedeutend mit seiner
Unschuld. Außerdem gibt es in seiner Autobiographie `Leader´ ein paar
Zeilen, die mich an sich schon seit Jahren sehr stutzig machten. Es war
bereits in den Siebzigern. Während einiger freier Tage auf Tour wurde ein
kleiner Kurzurlaub in Thailand eingelegt. Glitter beschreibt, wie ihm des
Nachts plötzlich das Bedürfnis überkam, mit einer Frau zu schlafen.
Gegen Bezahlung bat er den Hotelportier etwas entsprechendes für ihn zu
arrangieren. Er wurde von zwei finsteren Gestalten in einem Geländewagen
abgeholt. Nach einer längeren Fahrt durch den Busch kam man an eine
einsame Hütte. Und dort geschah es. Je mehr ich darüber nachdenke, desto
offensichtlicher wird es, daß es sich mit Sicherheit nicht um eine Frau,
sondern ein Kind gehandelt haben muss. Um in Thailand mit einer Frau zu
schlafen, reicht es ja wohl, um mit ein paar Scheinen in der Hand mal kurz
um die Ecke zu gehen. Da braucht man mit Sicherheit nicht Kilometerweit
durch den Dschungel zu fahren. Aber das wollte ich alles nicht sehen. Ich
wollte mir nicht eingestehen, daß ich jahrzehntelang einen perversen
sexuell schwerst gestörten Psychopathen favorisiert habe, in den letzten
Jahren sogar bewusst. Während ich für irgendeinen Hans - Dieter
Gnieselhuber im Falle seines Besitzes von Kinderpornographie sofort für
Zwangsamputation des gesamten Gehänges ohne Betäubung plädieren würde,
haben mir im Falle von Gary Glitter zwei läppische Monate Gefängnis
gereicht und er war für mich vollauf rehabilitiert. Und dafür schäme
ich mich. Ebenso schäme ich mich dafür, daß ich diesen verdammten
Sauhund vor Freunden und Bekannten immer in Schutz genommen habe und
bei jeder sich bietender Gelegenheit seine Musik gespielt habe, wenn
ich Besuch hatte. Und nicht nur dieses: Nach einem Konzert von Paul Di
Anno (Ex Iron Maiden - Sänger) im Jahre 2000 in Lübeck trafen wir
diesen auch persönlich und bekamen Autogramme. Bei dieser Gelegenheit
habe ich Paul auch noch auf seine Coverversion von `Another Rock And
Roll Christmas´ vom `Heavy Metal Christmas´ - Sampler (1994)
angesprochen. Er meinte er hätte den Song lediglich just for fun
aufgenommen. Und auf Gary Glitter persönlich angesprochen, sagte
Paul, er würde ihn erschiessen, sollte er ihm auf der Straße
begegnen. Und ich Arschloch reagierte auch noch mit wenig Verständnis
dafür, worauf Paul mich fragte, ob ich Kinder hätte, was ich
verneinte. Er sagte hierauf, wenn ich welche hätte, dann würde ich
ihn verstehen. Jetzt endlich verstehe ich ihn, auch ohne Kinder. (Die
sind nämlich sauteuer und nerven nur.) Auch ich würde Gary Glitter
gern erschießen, damit der böse Spuk ein Ende hat. Allerdings,
sollte ich wegen so einer Kanaille mein Leben ruinieren? Ich denke
nicht. Die Gerichte kennen leider keine Tötung aus einem wichtigen
Grund, die dann natürlich höchstens als Ordnungswidrigkeit wie
Schwarzfahren geahndet werden dürfte. (Falls diese Homepage von der
Polizei observiert wird: Nein, ich könnte ihn natürlich nicht
erschießen. Ich besitze keine Schußwaffe und führe dementsprechend nie
eine bei mir.) Zu alledem hatte ich hier unter
dieser Rubrik bis vor kurzem noch einen von mir verfassten Artikel,
der sich `Hetzjagd auf Gary Glitter´ nannte, der sich damit befasste,
daß die britischen Medien ihm auf den Fersen seien, und wie ach so
ungerecht ich das alles fand. Auf alle Fälle ist mir das jetzt alles
völlig peinlich. (Lösche ich jetzt das Licht, dann kann man meinen
Schädel in dunkelstem rot glühen sehen.) Ich habe mich ja praktisch
schon zum Anwalt von dem ganzen pädophilen Gesocks gemacht. Dabei
gehören diese Typen aus der Gesellschaft isoliert. Die müssen weg,
ausgerottet werden! Soweit mein erstes Statement. Weiter mit der
Story: Nach
diversen Morddrohungen und einer aufgebrachten Meute, die sich vor
seiner Villa postierte, so daß Glitter Polizeischutz anforderte und
leider auch erhielt, verließ er ein weiteres mal das Land in Richtung
Kuba. Doch dort war er inzwischen nicht mehr erwünscht und wurde nach
einiger Zeit des Landes verwiesen. Weiter ging es über Thailand nach
Kambodscha, Länder die für echten Kinderschänder an sich Traumziele
sind. Das machte mich zwar stutzig, aber als auch nach Jahren keine
neuen Negativmeldungen in Sachen Glitter auftauchten, war ich beruhigt
und die Sache war für mich gegessen. Auch in Kambodscha wurde Glitter
nach einiger Zeit ausgewiesen und siedelte nach Vietnam um. Dort lebte
er über ein Jahr lang unbehelligt und mietete sich dort in einem
kleinen Badeort eine schnieke Villa mit Swimming Pool und allem drum
und dran. Am 21. Dezember letztes Jahr platzte dann die Bombe. Glitter,
der mit einer Vierzehnjährigen auf der Flucht vor der Polizei war,
wurde auf einem Flughafen festgenommen, als er gerade das Land
verlassen wollte. Ihm wird Unzucht mit Minderjährigen vorgeworfen.
Mehrere minderjährige Mädchen hatten vor der Polizei ausgesagt, er
hätte Sex mit ihnen gehabt. Darunter war auch eine erst
dreizehnjährige. Natürlich stritt Glitter mal wieder alles ab. Dabei
behauptete er erst, er hätte die Mädchen für volljährig gehalten.
Dann wiederum, er hätte keinen Sex mit ihnen gehabt, sondern wollte
ihnen lediglich Englisch beibringen. (Na was denn nun?!) Nach und nach
kamen immer mehr und noch schmutzigere Details ans Licht. Erst war es
eine immerhin noch Zwölfjährige, dann sogar eine Elf - und eine
Zehnjährige, die glaubhaft versicherten, daß es zu sexuellen
Handlungen gekommen sei. Er soll seine Opfer mit Alkohol und Drogen
gefügig gemacht haben. Eines der Mädchen meinte gegenüber einer
britischen Tageszeitung: "Dieser Mann ist ein Monster. Kein
Mädchen ist vor ihm sicher." Außerdem sei Glitter kein Freund
von Schmusesex, sondern mag es nur auf die harte Tour. In Vietnam
gelten übrigens sexuelle Handlungen an Kindern unter 14 Jahren
automatisch als Vergewaltigung, und Vergewaltigung wird dort mit dem
Tod durch Erschießen bestraft. (Darüber sollte man hierzulande auch
ruhig mal nachdenken, anstelle der drei Monate auf Bewährung oder was
es dafür gibt.) Die Anklage wegen Vergewaltigung wurde aufgrund
mangelnder Beweise inzwischen leider fallen gelassen. Außerdem hat
Glitter den Familien zwei seiner jüngsten Opfer umgerechnet je 2000,-
$ Entschädigung gezahlt, was für diese in Vietnam viel Geld ist,
für ihn allerdings nur ein lächerliches Taschengeld. Dafür haben
die Familien sich aber auch bereit erklärt, sich schriftlich für ihn
einzusetzen, mit der Bitte an die Staatsanwaltschaft, die Anklage
fallen zu lassen. Die wurde jedoch natürlich nicht fallen gelassen.
Denn die Polizei fand im Laufe ihrer Ermittlungen immer weitere Opfer.
So hat Glitter mit einer Achtzehnjährigen zusammengelebt, die
täglich für ihn am Strand nach jungen Mädchen Ausschau gehalten und
jeweils eine per Motorroller in seine Villa gebracht hat. Dann gab es
den Vorfall, daß Glitter aus einer Bar rausflog, weil er dort eine
minderjährige Bedienung begrabscht hat. Dagegen mutet die Story, daß
Glitter bei einer Hausdurchsuchung vorsorglich seinen Computer
zerstörte, was allerdings nicht ganz klappte, weil die Festplatte
intakt blieb, noch eher unspektakulär an. Und siehe da: Es fand sich
wieder einmal massig Kinderpornografie darauf. Da kommt schon einiges
zusammen, was für Gewaltig Wut im Bauch und Brechreiz im Magen sorgt.
Glitter sitzt erst einmal in Untersuchungshaft. Ein Prozess ist für
Ende Februar angesetzt. Ihm drohen bis zu zwölf Jahren Gefängnis.
Nicht viel für solch einen üblen Sexualstraftäter. Jedoch: In
Vietnam sind die Gefängnisse wesentlich härter, als hier in Europa.
Stockschläge und Behandlungen mit dem Elektroschocker sind dort an
der Tagesordnung. Die Gefangenen schlafen auf dem nackten Fußboden.
Und zu Essen gibt es monatlich 15 kg Reis oder Reisersatz, was oftmals
auf 12 kg reduziert wird. Das wäre genau das richtige für einen
Typen wie Gary Glitter. Unter diesen Bedingungen kriegt er
wahrscheinlich so schnell keinen mehr hoch. Außerdem kann er dort
keine weiteren Schäden anrichten. Aber die Hoffnung beginnt zu
schmelzen, daß es dazu wirklich kommt. Offizielle der zuständigen
Staatsanwaltschaft haben bereits durchblicken lassen, daß auch eine
Geldstrafe oder eine Deportation in seine englische Heimat denkbar
wäre. Jedenfalls hat Glitter für 640.000 $ bereits seine englische
Villa verkauft, um die wohl augenscheinlich hohe Geldstrafe berappen
zu können. Eine Deportation in seine Heimat dürfte jedoch auch nicht
viel besser als vietnamesischer Knast für Glitter sein. Man erinnere
sich: Es gab bereits Morddrohungen und Bedrohungen gegen ihn, wegen
den Fotos auf seinem PC. Was sollte dann erst jetzt dort los sein,
wenn er nach England zurückkehrt... Ich sehe das schon kommen: Dieser
Drecksack kommt mal wieder davon. Und was bringt das ganze? Er wird
weitermachen wie bisher, vielleicht nicht in Vietnam, aber irgendwo
wird er schon einen Platz für seine Abartigkeiten finden. Seine
zukünftigen Opfer tun mir jetzt schon leid. Aber erst einmal heißt
es Abwarten. Ende Februar weiß man vielleicht schon mehr. Was
wirlich schlimm ist: Gary Glitter´s Verbrechen haben auch
Auswirkungen auf andere, die nichts dafür können und rein gar nichts
damit zu tun haben. Ich spreche hier von den Mitgliedern seiner
ehemaligen Begleitband der Siebziger und Achtziger The Glitter Band,
John Rossall und Harvey Ellison die auch eine eigenständige Karriere
am Laufen haben. Ihnen wird jetzt der Name Glitter zum Verhängnis. Es
wurden in England bereits fest gebuchte Gigs seitens der Clubinhaber
storniert, seitdem die Nachricht von Gary Glitter´s Machenschaften in
Vietnam bekannt wurden. Dabei haben John und Harvey, sowie ihre neuen
Mitstreiter mit der ganzen pedofilen Scheiße nun rein überhaupt
nichts zu tun. John Rossall dazu in einem Interview: Die Leute denken,
wir wussten davon. Aber keiner wusste es. Es war nicht Gary Glitter
der diese furchtbaren Dinge getan hat, es war Paul Gadd. Ich sehe Gary
Glitter eher als einen Schauspieler, eine Kunstfigur. Ich habe das
letzte mal vor 25 Jahren mit ihm gesprochen. Wenn ich daran denke,
daß ich mit diesem Mann mal eine Bühne geteilt habe, dreht sich mir
der Magen um." Das liegt ja wohl auf der Hand, daß keiner von
der Glitter Band etwas davon gewußt hat. Solche Dinge finden ja wohl
eher heimlich im Verborgenen statt. Und selbst Gary Glitter wird wohl
kaum so blöd gewesen sein, seine abartigen Neigungen an die große
Glocke zu hängen. Was
hat Gary Glitter auf der Habenseite? An sich nur seine Musik. Die ist
nach wie vor grandios, genau wie seine extravaganten Liveshows es
waren. Auch wenn mir momentan übel wird, wenn ich etwas von ihm
hören sollte, was ich auch möglichst vermeide. Aber er hatte schon
tolle Songs, über Jahrzehnte hinweg. Er war der geborene Glamrocker,
der einzige der konsequent diese Linie weiterverfolgt hat. Und er
besaß Ausstrahlung, Charisma und Charme. Er war der perfekte Showman.
Vielleicht muß man krank und pervers sein, um so genial und
einzigartig zu sein, wie er es in seiner musikalischen Laufbahn als
Gary Glitter war? Keine Ahnung... Jedenfalls war über Jahrzehnte für
mich jede neue Gary Glitter - Scheibe, jedes neue VHS - Video eine
absolute Sensation, die mich in ungeahnte Glücksgefühle versetzte.
Ganz zu schweigen, von den drei Konzerten, auf denen ich war. Das
größte war für mich natürlich, ihn mal persönlich zu treffen. Das
war im November 1988 nach einem Konzert im Hamburger Docks. Ich
wartete zusammen mit einer ganzen Reihe von Leuten am Hinterausgang
auf ihn. Es hat ewig gedauert, aber irgendwann kam er tatsächlich,
vergnügt und bestens gelaunt, machte Scherze, schüttelte Hände und
gab Autogramme. Da war nichts an diesem Mann, was auch nur die
leiseste Vermutung aufkommen ließ, daß er pädophil wäre. Gary
Glitter war lange Zeit Teil meines Lebens und hat mir viel Freude
bereitet. Aber das ist endgültig vorbei. Inzwischen bereitet er mir
nur noch Ärger und Verdruss. Es wäre echt das beste, er wäre tot. F.P.
18. / 19.01. 2006 Mehr
von Gary Glitter: Alles
gelöscht!
|